Woher weiss ich, wann es wirklich zwischen zwei Menschen gefunkt hat?

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Ich habe jemanden kennen gelernt. Wir verstehen uns sehr gut. Aber was mir ein Wenig Angst macht, ist die Frage, ob es sich wirklich um Liebe handelt oder nur um Leidenschaft. Er sagt, er mag mich und wenn wir uns länger nicht sehen, dass er das Verlangen hat, mich in den Arm zu nehmen. Aber kann man hier schon von Liebe reden?

Norbert

1. Antwort

Von Liebe kann man zu Beginn einer Beziehung niemals reden. Es ist doch die erste Begeisterung, die erst alles anstößt, was dann noch folgen mag. Allerdings ist es wenig hilfreich, Angst zu empfinden bei der Vorstellung, sich seinen eigenen Gefühlen frei hinzugeben. Alles per se zu hinterfragen, führt meistens zu unguten Reaktionen. Es stört einfach, wenn das Verlangen von vornherein mit einer unaufrichtigen Gesinnung in Verbindung gebracht wird. Ich selbst möchte meine aufrichtig empfundenen Gefühle nicht herabgewürdigt wissen. Robustere Gemüter mögen da vielleicht drüber hinwegsehen. Sie sind Eroberer, kriegen ihre Liebste irgendwie mit Beharrlichkeit an die Kandare...

 

Die Frage ist, wie dominant darf ein Mann sein, ohne dass man als Frau zu viel von sich aufgibt? Ich persönlich bin unter anderem noch deshalb Single, weil ich jedem Menschen alles lasse, was er für richtig hält. Ich sehe auch nicht ein, warum ich mich umständlich mit Kinkerlitzchen ins Zeug legen sollte für eine Frau, die nicht in der Lage ist, mein Wesen positiv zu empfinden. Wer meine Dargereichte Hand nicht nehmen will, braucht das nicht tun. Das ist ja kein Beinbruch, und es wäre ja furchtbar, wenn alle Menschen gleich wären.

 

Das Thema Leidenschaft ist freilich interessant. Es ist oft die Leidenschaft, welche noch zusätzliche Elemente in eine beginnende Beziehung einbringt. Es ist oft so, das sich aus einer leidenschaftlichen Affäre eine innige Liebe entwickelt. Denn für seine Liebste wird ein Mann vieles tun, was er sonst nie machen würde... und er tut es gern. Und das ist der springende Punkt: Es sind ja nicht die wilden Nächte, in denen man dem Überschwang des Gefühls nachgibt, sondern meistens nur kleine Nebensächlichkeiten, welche man selbst allmählich anders regelt. Bemerkt man das auch beim Partner, sind die Weichen gestellt. Man stellt sich immer mehr auf den Partner ein. Das leben an sich erscheint dann leichter und bunter. Kann man nichts davon erkennen, weiß man, dass der Partner nur mit Maulen etwas tun wird, worum man ihn bittet. Und solche Diskussionen sind nicht so prickelnd in einer Partnerschaft. Außerdem hat man dergleichen doch schon früher erlebt. Meistens mit den Kindern. Und es ist auch Kinderkram, mit dem man sich dann ohne Not auseinanderzusetzen hat.

 

Da mag nun jemand anmerken, dass solche Dinge doch keine Liebe seien. Sind sie aber doch! Denn führt man sich vor Augen, dass eine Liebe möglichst ewig andauern sollte, ist es unabdingbar, den Alltag gemeinsam miteinander zu regeln. Die kleinen Gefälligkeiten im Alltag gehören genauso dazu, wie der Blumenstrauß, den man als Mann seiner Liebsten zu einem Jubiläum mitbringt. Ist der Anlass weniger bedeutungsvoll, tut es auch ein Klaps auf den Po, ein Lächeln, oder eine sanfte Berührung, mit der man gleichsam die Verbindung bekräftigt. Die Grundlage ist das absolute Vertrauen, das man sich entgegenbringt. Denn schwingt ständig die Angst mit, kann man sich nicht unbefangen begegnen.

1 Kommentar

Kommentare

Mamiju

1. Wenn die ersten Kinder kommen hat es gefunkt.

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