Warum wird das Thema Sex in Beziehungen so oft totgeschwiegen?

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Norbert

1. Antwort

Sex wird in unserer prüden Gesellschaft allgemein als schmutzig empfunden. Es ist paradox, weil der Umgang mit Sex durch alle Kulturen hindurch geregelt wurde. Die Ehe ist das deutlichste Beispiel. Weil man aber generell Lust auf Sex verspürt, gerät man zwangsläufig in Konflikt mit den Konventionen. Das wäre nicht weiter zu bedauern, wenn man diese seelischen Konflikte nicht mitnehmen würde in die Ehe oder in eine Partnerschaft. Denn was vor der Ehe schmutzig ist, kann doch in der Ehe nicht auf einmal sauber sein...

 

Natürlich spielt uns das Unterbewusstsein diesen Streich. Es ist ein Teil unserer Kultur geworden. Obwohl man sich Sex mit dem geliebten Menschen wünscht, hält man sich zurück, über diese Wünsche zu sprechen. Selbst wenn man es schließlich geschafft hat, sich mehr oder weniger frei zu äußern, womöglich geheiratet hat, behält man diese Zurückhaltung das ganze Leben lang. Nur so ist es zu erklären, dass ein Ehemann, der bereits 8 Jahre glücklich verheiratet ist, sich in einem Domina-Studio seiner eigenen Frau wiederfindet, die ihrerseits nie über ihre Veranlagung gesprochen hatte. Das ist zum Brüllen komisch, denn die beiden hätten nur über ihre Neigungen sprechen brauchen.

 

Das betrifft aber alle Menschen. Kinder sind einfach da, es wird nur in Kauf genommen, dass Sex notwendig ist, Kinder zu zeugen. Meistens finden nur die Leute die geeigneten Worte, ihre Wünsche klar zu artikulieren, die besondere Neigungen haben. Die Mehrheit versteckt sich hinter den Konventionen der Kultur, in der sie leben. Ich finde, es ist nichts dabei, der Liebsten die Wünsche mitzuteilen, die man hat. Die sind ja individuell verschieden. Tut man es nicht, bekommt man auch nichts von den Wünschen des Partners zu hören. Man hat Blümchensex ohne jede Phantasie, langweilt sich irgendwann, und dann fühlt man sich unzufrieden und gerät leicht auf Abwege. Viele Frauen und Männer werden so unbewusst zum Opfer der eigenen Verklemmtheit. Sie geraten moralisch in ein schiefes Licht. Dabei hatte doch mal alles so hoffnungsvoll und romantisch begonnen.

 

So trägt jedes unausgesprochene Wort bereits in gewisser Art den Samen der Zerstörung in sich. Dieses Problem betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Man kann den Menschen per se keine Unaufrichtigkeit unterstellen. Wir sind einfach nur das Opfer der gesellschaftlichen Strukturen. Diese gesallschaftliche Sprachlosigkeit zu durchbrechen ist ein mühseliger Prozess, den viele Menschen scheuen und deshalb nicht in Angriff nehmen.

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T

2. Antwort

Die Meinung von Norbert finde ich richtig. Aber ich denke, diese Sichtweise entspricht eher dem Christlichen Bild unseres Kulturraumes und trifft eher auf ältere Generationen zu. Ich empfinde es auch nicht unbedingt so, das dieses Thema Sex in Beziehungen totgeschwiegen wird. Viele Menschen haben einfach bedenken, dass der Partner andere Sexualpraktiken als abstoßend empfinden könnte.Die Menschen reden doch oft über Sex, aber eben meistens nur über - wie Norbert so schön sagt - "Blümchensex". Das emfinden alle in meinem Umfeld als Normal.

 

In einer Beziehung fangen also die meisten Partner erst mal mit dem normalen an, dann und wann versucht der eine etwas anderes auszuprobieren, um seine Wünsche zu zeigen oder zu sehen ob der Partner es auch mag. Wenn dabei heraus kommt, dass der andere Partner dies nicht mag, hält sich der andere Teil in Zukunft zurück, aus Angst davor, dass andere Praktiken, die ihm oder ihr im Kopf umhergehen, nicht gewünscht werden.

 

Wie zuvor schon beschrieben, es scheint mir die Angst davor zu sein, dass der andere es Abstoßend findet. Das Gespräch darüber an sich, ist also für den "normalen Menschen" der sich an den Werten der soziologischen Entwicklung orientiert, in unserem Land kein Tabuthema sondern eine Frage der Einstellung, sich nicht in einem negativen Licht darzustellen, eben erlernte Werte unserer Gesellschaft.

 

Ich finde, dass mittlerweile doch recht viele Menschen sagen können und es auch tun, was sie möchten. Selbstbewusstsein und das Recht auf Selbstverwirklichung sind doch eine Entwicklung unserer heutigen kulturellen Soziologie. Mit der Emanzipation der Frau, der freizügigen Entwicklung in den Medien und nicht zuletzt die Legalisierung der Prostitution haben einen wichtigen Schritt dazu beigetragen. Der Umbruch ist für mich überall spürbar, bestes Beispiel, die seit einigen Jahren in den Medien bekannt gemachten Entwicklungen unserer Jugend, die auf Ihren Handys Pornos gespeichert haben und in Interviews offen über Sex reden. Es wird die Menschen geben, die offen darüber reden oder wie ich es beschrieben habe, eher zurückhaltende Partner, die versuchen, etwas mehr sexuelle Befriedigung zu bekommen. Und das wird sich nicht ändern, weil wir individuell sind. Und ich finde, das ist auch gut so! Nicht vergessen dieser Beitrag ist meine subjektive Sichtweise und nicht wissenschaftlich begründet.

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