Warum ist Vertrauen aufbauen für manche Menschen so schwer?

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Nach meiner Erfahrungen bei der Partnersuche ist es für viele Menschen schwer, Vertrauen zu jemandem neuen aufzubauen. Warum ist das so?

Norbert

1. Antwort

Ich habe schon mal im Bus mit einer Frau das Thema besprochen. Sie ist Ungarin, ist unseren deutschen verklemmten Lebensstil nicht gewohnt. Sie hatte mich direkt angesprochen, woran es wohl läge, dass die Leute so verschlossen sind. Ich sagte ihr, dass es am allgemeinen Misstrauen im allgemeinen und dem anderen Geschlecht gegenüber im besonderen liegt.

 

Es scheint  ein typisch deutsches Phänomen zu sein, dass sich fremde Menschen zunächst erst mal misstrauen. Ich selbst bin leider nicht frei von dieser Denkensart. Obwohl ich damit in guter Gesellschaft bin, möchte ich gern etwas daran ändern. Denn wer sich verschließt, hat schon verloren. Das ist das Kreuz, in dieser Partnersuche hier, und auch in anderen ...

 

Ich möchte gern eine positive Haltung einnehmen. Doch die wird mir selbst nicht entgegengebracht. Man denkt dann unwillkürlich, was es da wohl zu verbergen gibt. Das gibt einem ein ungutes Gefühl, das stets wie ein Damoklesschwert über einem hängt. Das hat mit der im Moment empfundenen Zuneigung nicht viel zu tun. Es ist einfach nur ein dumpfes Gefühl, dass einen hoffnungsvollen Menschen hemmt, aus sich herauszugehen. Durch die auf diese Weise "gewonnenen" Erfahrungen sieht man sich dann immer mehr in den negativen Ansichten bestärkt. Dabei ist man nur über die eigenen Füße gestolpert. Das kann soweit führen, dass man als Mann nicht einmal mehr in der Lage ist, seine volle Leistungsfähigkeit zu entfalten, wenn diese gefragt ist. Frauen passiert das auch, nur sieht man das nicht so deutlich.

 

Natürlich wird man oft über den Tisch gezogen oder sonstwie getäuscht. Doch ich stürze mich jedes mal wieder wie ein Kamikaze-Flieger ins nächste Abenteuer, mit der Vermutung, dass ich wieder gleichsam verbrannt werde. Natürlich versuche ich, mein eigentliches Wesen hervorzuzaubern. Doch das gelingt mir nur unvollkommen. Weil Frauen und Männer grundsätzlich ähnlich empfinden, befindet man sich in einer Achterbahn, die stets zum Start-Punkt zurückkehrt.
Je mehr man über diese Verhältnisse nachgrübelt, desto unsicherer wird man.

 

Hinzu kommt noch der Stil, mit dem man sich schreibt. Ich selber pflege eine überaus blumige Schreibweise, welche meinem Denken entspricht. Im Alltag gebe ich mich anders. Es ist mir nicht möglich, zu jeder Zeit meinen innersten Gedanken Ausdruck zu verleihen. Dies wird aber oft erwartet. Dabei besteht das Leben aus vielen Gefühlszuständen... Seit nunmehr fast 5 Jahren möchte ich einen Menschen finden, dem ich uneingeschränkt vertrauen kann. Die Sorge, wieder einmal missverstanden oder verletzt zu werden überwiegt. Wir befinden uns alle in einem Karussell, das uns im Kreis herumwirbelt. Es wäre wünschenswert, sich frei von Ängsten begegnen zu können. Ich versuche das ständig. Doch wenn mir etwas 'spanisch' vorkommt, verfalle ich selbst auch leicht in die üblichen Muster.

 

Es geht also nicht um gut oder böse. Man ist gar nicht in der Lage, das beurteilen zu können. Die gemachten Erfahrungen helfen da überhaupt nicht weiter. Man beginnt jedes mal von vorn, ist sich dessen aber nicht bewusst. Man glaubt, alles zu wissen, doch wenn man ehrlich zu sich selbst ist, kommt man zwangsläufig zum Schluss, dass man von so gut wie gar nichts nur ansatzweise eine Vorstellung hat von dem, was auf einen zukommt. Es ist wohl nur eine Frage der Gewohnheit, mit dieser permanenten Unsicherheit umzugehen.

 

Weil ich mir nur wenig vorzuwerfen habe, könnte ich eigentlich gelassen mit dem Thema umgehen. Doch es gelingt mir nicht. Denn es kann schon kränkend sein, zu bemerken, dass die eigene Aufrichtigkeit in Zweifel gezogen wird. Und zwar aus eben genau den vorgenannten Gründen. Auch hier auf dieser Partnersuch-Seite ist mir dergleichen begegnet. Die Verbindung, die sich angesponnen hatte, ist irgendwann abgerissen. Es war einfach nur noch stressig, stets alles umständlich erklären zu müssen. Die Unschuldsvermutung gilt meistens vor Gericht, doch im realen Leben ganz sicher nicht.

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